Chronik
Berichte über Aktuelles in Anrath und Aktivitäten des Bürgervereins30.07.2011
ANRATH ² für Mathematiker mit Vorliebe für Algebra?
oder
ANRATH im Quadrat für eben solche mit Interesse an
geometrischen Formen?
Weder - noch.......
Nämlich für einen etwa 20 km langen Rundweg mit dem Fahrrad - eigentlich etwas irreführend. Etwa die Quadratur des Kreises? - Nein! Das Quadrat einfach als Symbol eines markierten Wanderweges für einen interessanten Rundweg, zu dem unser Freund Friedel Kluth im Namen des Bürgervereins Anrath für Samstag, dem 30.Juli 2011 eingeladen hatte. Interessierte Gäste waren die Segler-Crew der vergangenen Jahre des Turnvereins Anrath (TVA), die an diesem Tag die Schoten mit dem Fahrradsattel getauscht hatten. Samstagmittag Punkt 12.00 Uhr begrüßte uns Friedel Kluth vor der im Ortskern 1898 im neu-gotischen Stil errichteten katholischen Pfarrkirche zu Anrath.In Richtung Neersen verließen wir den Ortskern und bogen gegen Ende der Bebauung in nördlicher Richtung zum Gymnasium ab. Der in den neunziger Jahren errichtete Bau des Gymnasiums wurde zwischenzeitlich mehrfach erweitert, weil die Qualität dieser Schule auch auswärtige Schüler anlockte. Engagierte Lehrer und motivierte Schüler nahmen sogar erfolgreich am Projekt "Jugend forscht" teil. Zur Überraschung und Freude aller Teilnehmer zog unser Crew-Mitglied Alexander Lankers plötzlich leuchtend gelbe, individuell bedruckte Westen aus seiner Fahrradtasche. Alle Teilnehmer wurden aus Sicherheitsgründen mit diesen signalfarbenen Sicherheitswesten ausgerüstet. Am Donkweg (früher "Zissdonk" = Süßdonk) gab es von Friedel Kluth erläuternde Worte zum Begriff "Donk". Der im niederfränkischen Sprachraum vorkommende Begriff meint leichte Bodenerhebungen im Moor- und Bruchgelände, die für den Wege- und Gehöftbau geeignet waren. Der nächste Haltepunkt war der beeindruckende "Neubeudelshof", den die Familie Ohligs vor etwa 25 Jahren errichtete. Der Landwirt Ohligs berichtete, dass er am Ende seiner Schafweide auf Fundamentteile gestoßen war, die nach Recherchen auf ein Munitionsdepot aus dem Krieg 1871/1872, dem sog. "Polverschöppke" schließen lassen. Der Name van den Bongardt steht für fachlich anerkannte Imkerei und Bienenzucht. Seit Jahrzehnten wird hier die Aus- und Fortbildung von Bienenzüchtern sowie die Erzeugung von Honigprodukten betrieben. Von der Qualität des Honigs konnten sich alle Teilnehmer selbst überzeugen: Für jeden Teilnehmer gab es einen köstlichen, vom Hausherrn spendierten Honigschnaps. Unweit entfernt kamen wir zum schön gelegenen Hausbroicher See, der von einem Anglerverein genutzt wird. Er entstand bei der Auskiesung zum Einsatz beim Autobahnbau des Neersener Kreuzes und hat seinen Namen von einem Rittergut in seiner Nachbarschaft. Das Rittergut Hausbroich wird urkundlich bereits 1247 erwähnt. Bis 1957 wechselte es mehrfach seinen Besitzer, dann ging es in den Besitz des Bistums Aachen über. 1962 wurde das Gut und die Ländereien an den Landwirt Günter Koof verkauft, dem Vater von Norbert Koof (Weltmeister der Springreiter in 1982). Zurzeit ist eine IT-Firma dort tätig, die industrielle Software entwickelt. Entlang einer stark befahrenen Landstrasse (BAB-Zubringer Münchheide) führte uns ein Wirtschaftsweg zum "Holterhof", der auch heute noch von Familie Holter bewirtschaftet wird und der Gegend seinen Namen gab ("Holterhöfe"). Gleich rechts neben dem Holterhof sahen wir den ansehnlichen "Sterkenhof", der aus dem 18. Jahrhundert stammt und heute von Familie Kellermann bewirtschaftet wird. Wir gelangten zu einem neuen, in der Entstehung befindlichen Golfplatz und an dessen Ende zu einem kleinen Hügel mit Altbaumbestand ("Rennesböschke"), dem sog. "Freudenberg". Dem einzigen "Berg" Anraths wurde sogar ein Gipfelkreuz verpasst und er dient als Anlaufpunkt für ähnliche Radtouren. Wie man sieht, wurde dieser Ort zum "Weltkulturerbe" erklärt. Ein von Unkraut überwucherter Stein mit Inschrift erinnert an den Absturz eines feindlichen Flugzeugs in den vergangenen Kriegsjahren an diesem Ort. Durch das stark bewaldete Rennesböschke gelangten wir zum "Hochbend", einem Heilpädagogischen Zentrum. Hier werden behinderte und psychisch kranke Menschen in Werkstätten sinnvoll beschäftigt. Mitten im Feld sahen wir rechtsab ein helles Gehöft. Dort lebte der Wunderheiler Adolf Bertram, genannt "Siep Schmett". Ihm wurden unnatürliche Kräfte nachgesagt. Seine selbst hergestellte schwarze Salbe wurde als Allheilmittel von vielen Kranken angewandt. Im Alter von 87 Jahren wurde der Kauz auf seinem Hof von Räubern überfallen und ermordet. Unser nächster Haltepunkt war der "Gelleshof". Ursprünglich war er von Wassergräben umgeben und hatte eine Zugbrücke. Gegen feindliche Übergriffe diente er den Bewohnern als Abwehrmöglichkeit. Der Wehrturm, "Berfes" genannt, ist heute noch deutlich erkennbar. 1719 wurde er zu einem Wohnhaus ausgebaut. Vorbei am "Bröggerhof" führte unser Weg durch das Mühlenbruch zur im Jahre 1965 restaurierten "Quirinus-Kapelle", die durch einen Nachbarschaftsstreit bereits im Jahre 1610 errichtet wurde. Der Streit zwischen zwei Nachbarhöfe um eine alte Eiche wurde dadurch beigelegt, dass man überein kam, die besagte Eiche zu fällen und aus dem anfallenden Holz eine kleine Kapelle zu bauen. Mit einem weiteren Kleinod wartete Friedel Kluth am "Haxhof" auf. Seine Geschichte geht nachweislich auf das Jahr 1446 zurück. Eine weitere Station war die alte "Clörather Schule", die bis 1974 noch als Volks- und Hauptschule betrieben wurde. Der in der Nähe gelegene Carl-Huppertz-Weg wurde benannt nach dem in dieser Schule tätigen Hauptlehrer Carl Huppertz. Unsere Radtour führte nun zum burgähnlichen "Haus Stockum", dessen Fundamente in sumpfigem Gelände auf Holzpfählen stehen, einer speziellen Bauweise, die auch in der Lagune von Venedig anzutreffen ist. Einen weiteren Stopp hatte Friedel an der "Heiligkreuz-Missions-Kapelle" vorgesehen. Sie stammt aus dem Jahr 1869 und wurde damals in Eigenleistung durch drei umliegende Honschaften errichtet. Die in der Nähe gelegenen "Malbauern" haben die Innenmalereien der Kapelle vorgenommen, die aber leider nicht erhalten sind.
Ein geselliges Ende dieser schönen und sehr lehrreichen Rundtour um Anrath erlebten wir im Garten und auf der Terrasse von bei Peter Schulz, dem ehemaligen Schützenhof-Wirt. Seine Frau Helga und er hatten alle Teilnehmer zu einem üppigen Mahl und Bier eingeladen. Hier haben wir den Tag in froher Runde ausklingen lassen. Im Namen aller Teilnehmer möchten wir uns bei Friedel Kluth bedanken, der die Tour sehr gut vorbereitet hatte und die mit viel Humor und Engagement vorgetragenen Erläuterungen zu den einzelnen Objekten kurzweilig "rüberbrachte".

Zur Verkehrssicherheit ist die ganze Gruppe mit (von Alexander Lankers gesponserten) leuchtend bunten Hemdchen ausgerüstet.

Der idyllische Neubeudelshof

An der Imkerei van den Bongard

Versteckt zwischen den Bäumen: das Rittergut Haus Broich

Der Sterkenhof

Am "Freudenberg"

Die Allee zum "Freudenberg"

Der "Berfes" am Gelleshof

Blick auf das "Königlich Preußische Gefängnis"

Am "Quirinuskapellchen"

"Haus Stockum"

Die Alternative zum Segeln: Tour zum "Freudenberg"