Anrather Straßen

Zum Thema:
An den Samstagen 17. April und 25. September 2010 fand jeweils um 10:00 Uhr eine Ortsführung unter dem Thema „Straßennamen Anrather Persönlichkeiten“ durch Karla Meiendresch statt.

Der Ursprung von Strassennamen wie Neersener Strasse, Viersener Strasse, Kirchplatz ist eindeutig, und dass die Kornelius-Feyen-Strasse nach Kornelius Feyen benannt wurde und die Eugen-Witte-Strasse nach Eugen Witte ist auch jedem klar (näheres zu den Namensgebern im Personenverzeichnis); dankenswerterweise hat die Stadt Willich gerade bei den vielen neuen Strassen an die Strassenschilder kurze Erläuterungen über den Namensgeber gehängt. Aber schon bei der Doomerstrasse wird es schwieriger, und woher kommen Namen wie Beudelsdyk, Meisfeldstrasse oder Dimbkesfeld?


Hans Küppers, ehemaliger Schulleiter der Gottfried-Kricker-Schule, schrieb hierzu im Heimatbuch 1980:

„Bei der Benennung von Straßen, Wegen, Plätzen, Siedlungen griff man in Anrath wie andernorts häufig auf alte Flurbezeichnungen (Dimbkesfeld, Hochheideweg, Vennheide) ode auf die Namen alter Höfe (Am Malbauer, Gietherstraße, Darderhöfe) zurück. Andere wurden nach charakteristischen Berufen der Einwohner (Weberstrasße, Seidenstraße, Auf der Bleiche) oder nach öffentlichen Gebäuden bezeichnet, die an den betreffenden Straßen oder Plätzen lagen (Kirchplatz, Pastoratsstaße). Wieder andere gaben de Richtung an, in die sie führen, und sind damit zugleich Wegweiser (Neersener Straße, Süchtelner Straße, Klörather Steg). Auch Heilige, zu welchen die Bewohner eine besondere Beziehung haben, werden in Straßennamen geehrt (Johannesstraße, Heribertstraße, Josefsplatz). Straßen in Neubaugebieten und Straßen, deren Umbenennung (wie nach der kommunalen Neugliederung am 1.1.1970) sich als notwendig erwies, wurden häufig nach bedeutenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens benannt, besonders dann, wenn sie in enger Beziehung zum Ort standen.

Es hat sich in den letzten Jahren immer mehr eingebürgert, Straßen und Plätze nach ehemaligen Bürgern des Ortes, die sich in irgendeiner Weise für das Wohl der Gemeinde und ihrer Mitbürger eingesetzt haben, zu bezeichnen, um damit ihr Andenken über Jahre hinaus zu sichern. Das Tun ist löblich. Ist ihr Andenken jedoch tatsächlich gesichert? Der Name allein dürfte nicht genügen, notwendig wäre es, wie es auch andernorts üblich ist, dem Straßenschild eine kurze Erläuterung beizufügen.Einen Anfang hatte die Gemeinde Anrath schon gemacht, als sie 1963 den Namen der damals neuerbauten Doomerstraße auf einem zusätzlich angebrachten Schild erklärte. Das scheint dem Straßenbauamt der Stadt Willich missfallen zu haben. Die Schilder sind inzwischen entfernt worden. [...]

Die Stadtverwaltung möge es als Anregung und Bitte verstehen, dem Wunsch der Bewohner nachzukommen, den Namensschildern eine Erklärung beizufügen.„

(Dies ist natürlich inzwischen längst geschehen; zahlreiche Straßenschilder, insbesondere in den Neubaugebieten, sind bereits mit erklärenden Zusatzschildern versehen. Der Bürgerverein setzt sich auch weiterhin dafür ein, daß wo nötig noch weitere Zusatzschilder angebracht werden)


  • Am Krickerhof: An der Hochbendstrasse hinter der Klein Kollenburg-Straße steht der Krickerhof, nach dem die Straße im gegenüberliegenden Wohngebiet ihren Namen erhält.
  • De-Mülder-Gasse: Über mehrere Jahrzente betrieb die Familie De Mülder an der Ecke Jakob-Krebs- Strasse und dem im Volksmund „De-Mülder-Jätzken“ eine Bäckerei. Bis zum Bau der Raiffeisenstraße war es eine schmale Gasse, welche hinter den Häusern der Jakob-Krebs-Straße verlief. Geblieben ist nur der kurze Verbindungsweg zwischen der Fußgängerzone und der Raiffeisenstraße, der dann den offiziellen Namen „De-Mülder-Gasse“ bekam.
  • Doomerstrasse: Lambert Doomer (1624–1700) Rembrandtschüler und Sohn des gebürtigen Anrathers Harmen (Hermann) Doomer
  • Eugen-Witte-Straße: Dr. Eugen Witte (1892–1968) Arzt in Anrath ab 1929
  • Franz-van-Kempen-Straße: Franz van Kempen (1792–1864) war Lehrer in Anrath von 1819 bis 1864.
    Gottfried Kricker über Franz van Kempen: „Er war ein verdienter Lehrer alten Schlages, freundlich, väterlich, mild. Dankbar verehrt und bei seinem Tode aufrichtig betrauert von einer außergewöhnlich großen Zahl von Schülern.
  • Heribertstraße: Der hl. Heribert, Erzbischof von Köln (ca. 970–1021) ist zweiter Patron der Pfarre Anrath; während seiner Amtszeit wurde Anrath von St. Peter bei Kempen abgepfarrt und zur eigenständigen Pfarre erhoben.
  • Hindenburgstraße: Paul von Hindenburg (1847–1934), im 1. Weltkrieg Generalfeldmarschall, Sieger der Schlacht von Tannenberg. Wegen seiner großen Volkstümlichkeit wurde er 1925 zum Reichspräsidenten gewählt.
  • Jakob-Lüngers-Weg: Jakob Lüngers (1890–1970) war von 1924 bis 1929 und seit 1946 mit kurzer Unterbrechung bis 1964 Mitglied des Anrather Gemeinderates. Er war lange Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD und seit 1949 stellvertretender Bürgermeister. 1964 wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde Anrath ernannt.
  • Johannes-Marschang-Straße: Johannes Marschang (1884–1978) war langjähriger Gefängnisseelsorger im Anrather Gefängnis, Ehrenbürger der Stadt Willich
  • Karl-Echternacht-Straße: Karl Echternacht (*9.1.1867 in Hennweiler/Hunsrück, † 26.12.1955 in Bad Godesberg) war erster evangelischer Pfarrer in Anrath von 1904 bis 1914, Initiator des Kirchenbauvereins für eine evangelische Kirche in Anrath (Einweihung 1910 - s. hier) und Begründer des evangelischen Gemeindelebens in Anrath
  • Karl-Gierlichs-Straße: Carl Josef Gierlichs (1819–1887) war von 1844 bis 1887 Bürgermeister der Gemeinde Anrath.
  • Karl-Lange-Straße: Carl Lange aus Krefeld gründete um 1898 an der Bahnstraße (heutige Jakob-Krebs- Straße) eine Seidenweberei. Der Bau dieses Betriebes trug mit zur Gesundung des Anrather Wirtschaftslebens bei. Die Weberei ging 1926 in die Vereinigte Seidenweberei AG über.)
  • Königsberger Straße, Schlesier Straße: Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Bewohner aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vertrieben. Als in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Anrather Südosten eine Siedlung für Vertriebene entstand, benannte die Gemeinde Anrath die Strassen nach den Heimatgebieten im Osten.
  • Kornelius-Feyen-Straße: Kornelius Feyen (1886–1957) war Volksschullehrer und Chorleiter in Anrath und ist durch seine Aquarelle mit Darstellungen der Niederrheinlandschaft heute noch bekannt.
  • Lorenz-Schmitz-Straße: Lorenz Schmitz (1792–1871) war Stifter des ersten Anrather Krankenhauses
  • Pastor-Schoenenberg-Straße: Laurenz Schoenenberg (1838–1918) war von 1892 bis 1918 Pfarrer von Anrath. Er führte den von seinen Vorgängern vorbereiteten Neubau der katholischen Pfarrkirche durch (1897/98).
  • Prinz-Ferdinand-Straße, Prinz-Ferdinand-Platz: benannt nach Ferdinand von Braunschweig- Wolfenbüttel (1721–1792), Herzog von Braunschweig und Lüneburg. Generalfeldmarschall in preußischen und kurhannoverschen Diensten. Siegreicher Feldherr in der Schlacht am Hückelsmay 23. Juni 1758
  • Schottelstraße: „Schottel“ bedeutete im niederdeutschen „Schüssel“. Es ist anzunehmen (aber nicht belegt), daß hier Töpfer wohnten.
  • Wilhelm-Teuwen-Straße: Wilhelm Teuwen (1908–1967) war ein in Anrath geborener vielseitiger Künstler. Er war Holzschneider, Maler und Entwurfzeichner für Glasmalerei.
(wird noch ergänzt.)

Von Karla Meiendresch, Hans Küppers u.a., nach Quellen von Gottfried Kricker und Stadtarchiv Willich.
s.a. Heimatbücher 1980, 2006, 2007.



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